Das SAFE-Programm – eine Chance für europäische Unternehmen aus dem Technologie- und Rüstungssektor

Das Programm SAFE – Security Action for Europe – ist ein neues EU-Finanzierungsinstrument, das vom Rat der Europäischen Union am 27. Mai 2025 verabschiedet wurde. Es bildet den ersten Pfeiler des Plans ReArm Europe/Readiness 2030 der Europäischen Kommission, dessen Ziel es ist, über 800 Milliarden Euro für Verteidigungsausgaben in der gesamten EU zu mobilisieren.

SAFE ermöglicht es den Mitgliedstaaten, zinsgünstige Darlehen mit langen Laufzeiten in Höhe von bis zu 150 Milliarden Euro aufzunehmen. Diese Mittel sollen ausschließlich für dringende und großformatige Investitionen in die europäische Verteidigungsindustrie verwendet werden.

Das Instrument ist eine Antwort auf die russische Aggression gegen die Ukraine, die schwerwiegende Lücken in den Verteidigungskapazitäten Europas offenbart hat – von unzureichenden Munitionsreserven über fragmentierte Beschaffungsstrategien bis hin zu mangelnden industriellen Produktionskapazitäten.

Ein zentrales Prinzip von SAFE ist die Verpflichtung zu gemeinsamen Beschaffungsvorhaben: Jedes Projekt muss mindestens zwei teilnehmende Staaten umfassen. Neben EU-Mitgliedstaaten können auch die Ukraine sowie EWR-EFTA-Länder am Programm teilnehmen.

Polen – der größte Begünstigte des SAFE-Programms

Polen hat bei der Europäischen Kommission einen Antrag eingereicht, der 139 Verteidigungsprojekte im Gesamtwert von 43,7 Milliarden Euro umfasst – und ist damit mit Abstand der größte Begünstigte des SAFE-Programms, der nahezu ein Drittel des gesamten Topfes beansprucht.

Am 17. Februar 2026 hat der Rat der EU den polnischen Investitionsplan endgültig genehmigt und damit den Weg für die Freigabe der Mittel geebnet.

Die polnische Regierung erklärt, dass 80 bis 89 Prozent der SAFE-Mittel – also rund 150 bis 160 Milliarden Zloty – in der heimischen Rüstungsindustrie eingesetzt werden sollen. Ziel ist es, den Anteil polnischer Unternehmen an Militäraufträgen deutlich zu steigern sowie bis 2030 neue Produktionslinien, Arbeitsplätze und innovative Projekte zu schaffen.

Welche Projekte plant Polen im Rahmen von SAFE zu finanzieren?

Die vollständige Projektliste ist aus Sicherheitsgründen vertraulich. Ein Teil der Projekte ist jedoch bereits öffentlich bekannt:

  • Schützenpanzer Borsuk – ein modernes amphibisches Kettenfahrzeug mit fortschrittlichen Zielsystemen.
  • Panzerhaubitze Krab – eines der Flaggschiffprodukte der polnischen Rüstungsindustrie, hergestellt von Huta Stalowa Wola.
  • Flugabwehrraketen Piorun – tragbare Flugabwehr-Raketensysteme, die sich im Kampf gegen Drohnen und Hubschrauber als sehr effektiv erwiesen haben.
  • Artilleriemunition 155 mm – produziert u. a. von der Firma Polska Amunicja; unverzichtbar für die Selbstfahrartillerie. Der durch den Krieg in der Ukraine entstandene Bedarf ist enorm.
  • Aufklärungsdrohnen FlyEye und FT5-Łoś – unbemannte Systeme der WB Group für Aufklärung und Echtzeitüberwachung.
  • Integriertes Drohnenabwehrsystem SAN – eine Antwort auf die wachsende Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge.
  • Airbus-Tankflugzeuge – Luftbetankungsflugzeuge des europäischen Konzerns. Ein Beispiel für ein mit einem ausländischen Partner im Rahmen der SAFE-Anforderung gemeinsamer Beschaffung durchgeführtes Projekt.

Neben militärischer Ausrüstung sollen SAFE-Mittel auch für Infrastruktur und Cybersicherheit eingesetzt werden.

Warum ist SAFE eine Chance für deutsche Unternehmen?

Die polnische Rüstungsindustrie – die hauptsächlich in der Polnischen Rüstungsgruppe (PGZ) konzentriert ist – ist eine dynamisch wachsende, aber nach wie vor begrenzte Struktur. Obwohl der Anteil heimischer Unternehmen an Militäraufträgen in den letzten zwei Jahren von 20 auf fast 40 Prozent gestiegen ist, übersteigt das im Rahmen von SAFE geplante Investitionsvolumen von 43,7 Milliarden Euro bis 2030 die aktuellen Produktions- und Technologiekapazitäten der polnischen Rüstungsbranche bei Weitem.

Die Realisierung von 139 Projekten in so kurzer Zeit ist ohne ausländische Partner unmöglich – Partner, die über fertige Technologien, Produktionslinien und Know-how im Bereich fortschrittlichen Militärgeräts verfügen. Genau hier entsteht Raum für Unternehmen aus Deutschland.

Deutschland – der natürliche Technologiepartner

Deutschland verfügt über eine der fortschrittlichsten Verteidigungs- und Technologieindustrien in Europa. Unternehmen wie Rheinmetall, KNDS (Mitproduzent des Leopard-Panzers), Hensoldt, Diehl Defence, ESG Elektroniksystem sowie zahlreiche Innovationsunternehmen aus den Bereichen neue Technologien, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit verfügen genau über das, was die polnische Armee benötigt – und was die polnische Rüstungsindustrie noch nicht selbständig herstellen kann.

Rheinmetall, das bereits in Polen aktiv ist (u. a. über ein Gemeinschaftsunternehmen mit der PGZ namens Rheinmetall BAE Systems Land), ist ein gutes Beispiel für ein Kooperationsmodell, das von anderen Unternehmen übernommen werden kann. Produktionsstätten in Polen, Munitionslieferungen oder Schutzsysteme für Kampfplattformen – das sind Bereiche, in denen deutsche Hersteller bei der Umsetzung von SAFE-Projekten ihren Platz suchen und finden sollten.

Zusammenfassung

Die SAFE-Mittel sollen bis 2030 verausgabt werden. Erste Tranchen werden Polen bereits im Frühjahr 2026 erreichen. Das bedeutet, dass Entscheidungen über Partnerschaften, Kooperationsstrukturen und Vertragsverhandlungen jetzt getroffen werden müssen – noch bevor die Agencja Uzbrojenia (Beschaffungsagentur) und der Generalstab der polnischen Streitkräfte offiziell Ausschreibungen ankündigen.

Unternehmen, die als Erste Beziehungen zu polnischen Rüstungsunternehmen, Regierungsstellen und der Polnischen Rüstungsgruppe (PGZ) aufbauen, werden sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Bewerbung um SAFE-Aufträge sichern.

Das SAFE-Programm ist eine beispiellose Mobilisierung finanzieller Mittel für die europäische Verteidigung. Polen – als größter Begünstigter mit einem Budget von 43,7 Milliarden Euro – wird zum zentralen Rüstungsstandort an der Ostflanke der NATO.

Für deutsche Unternehmen aus dem Technologie- und Rüstungssektor ist dies eine historische Chance: Die Lücke zwischen den Ambitionen der polnischen Armee und den begrenzten Kapazitäten der heimischen Rüstungsindustrie kann genau durch die Kooperation mit Partnern von jenseits der Oder geschlossen werden – durch Joint Ventures, Technologietransfers, gemeinsame Konsortien und Produktionsinvestitionen in Polen.

Paweł Osiński

Rechtsanwalt, Experte für Gesellschaftsrecht und Begleitung ausländischer Investitionen

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